Über das Projekt Eine Bildungsinitiative
die Generationen verbindet

Herkunft, Bildungsgrad und Einkommen der Eltern spielen eine maßgebliche Rolle dabei, welche Chancen Kinder im Leben erhalten. Fehlen soziale Ressourcen außerhalb der Schule, bekommen junge Menschen oftmals zu wenig Unterstützung.

Im OMA/OPA-Projekt erhalten bildungs- und sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche genau diese Unterstützung von freiwilligen SeniorInnen. Generationsübergreifendes Lernen, der Aufbau von Vertrauen und einer emotionalen Beziehung wirken sich positiv auf die schulische, persönliche und soziale Entwicklung der Kinder aus.

„Kinder und Jugendliche verdienen Liebe, Achtsamkeit, Wertschätzung und Bildungsgerechtigkeit, um einen guten Start ins Leben zu finden.“

Projektinitiatorin Michaela Dirnbacher

Voneinander Lernen

Das Projekt bietet eine kontinuierliche Betreuung durch ein- und dieselbe Bezugsperson. Zweimal wöchentlich lernen die Kinder nachmittags für zwei Stunden in unseren Projekträumen im 1:1-Verhältnis mit den Freiwilligen. Beim gemeinsamen Lernen entsteht ein Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen Jung und Alt von dem beide Seiten profitieren. Im geschützten Rahmen meistern die Kinder ihre schulischen Aufgaben von Mathematik bis Geographie, es wird gespielt und gelesen. Ganz nebenbei können Kinder mit nicht deutscher Muttersprache ihre Sprachkompetenzen erweitern. Im Gegenzug können die freiwilligen LernhelferInnen ihr Wissensschatz teilen sowie ihr Verständnis für ein interkulturelles Beisammensein stärken. Lernen wird mit Freude verbunden und das Bildungsbewusstsein sowohl der SchülerInnen als auch der SeniorInnen im Sinne lebenslangen, ganzheitlichen Lernens gefördert.

 

Miteinander Wachsen

Die Lernpaare werden vor Ort in Lerngruppen von geschulten BetreuerInnen unterstützt. Zusätzlich erhalten sie eine pädagogische Beratung und interkulturelle Kommunikationstrainings, die die Lernteams und ein achtsames Miteinander trotz verschiedener Generationen und Kulturen stärken.

Immer wieder werden auch außerhalb der Lernnachmittage gemeinsame Aktivitäten, wie Museums- und Kinobesuche oder Stadterkundungen gemeinsam unternommen. Die Freiwilligen übernehmen eine wichtige MentorInnen-Funktion für die Kinder und ihre Familien indem sie beispielsweise beim Übergang von der Schule zur Ausbildung oder zum Beruf unterstützen.

Ganzheitlicher Ansatz

Die entwicklungsfördernde Methode der Arbeit am Tonfeld® hat sich bei besonderem Unterstützungsbedarf der Kinder, zum Beispiel bei Lernschwächen oder traumatisierenden Erlebnissen bewährt. Die Methode basiert auf einem salutogenetischen Ansatz, das heißt im Mittelpunkt steht nicht die jeweilige Problematik oder Krise, sondern die Möglichkeit, über die eigene Bewegung – das Greifen und Begreifen – neue Antworten und Lösungen zu finden und so die eigenen Ressourcen zu stärken. Um Belastungen gezielt zu behandeln, wird gegebenenfalls eine Betreuung durch die projektinterne Psychologin ermöglicht.

Der Austausch mit den Eltern und die enge Zusammenarbeit mit Schulen bilden wichtige Eckpfeiler des Projekts. Für die Mütter der betreuten Kinder wird ein niederschwelliges Empowerment-Training „Deutsch erleben – Wien kennenlernen“ angeboten. Durch die Einbindung in das soziale Netz des OMA/OPA-Projekts wird die Integration und Inklusion der Kinder und ihrer Familien langfristig gefördert.

Entstehungsgeschichte Aus einer Nachbarschaftsinitiative entstanden,
feiert das Projekt dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum

Durch den Standort im Brunnenviertel in Ottakring befindet sich der Verein NL40 im Mittelpunkt multikulturellen Geschehens. Im Laufe der Vereinsarbeit entstand Kontakt zu türkischen und serbischen MitbürgerInnen und damit der Zugang zu ihrer Geschichte.

Auf diesem Weg erfuhr der Verein NL40 von den Sorgen eines Volksschulkindes, das die 2. Klasse aus sprachlichen Gründen zweimal wiederholen musste und in der dritten Klasse immer noch weit entfernt davon war, in deutscher Sprache lesen und schreiben zu können. Eine dem Verein bekannte Seniorin hörte davon und bot an, mit diesem Kind regelmäßig Schulaufgaben zu machen. Sie blühte dabei auf, wurde dann aber bald mutlos, weil sie, auf sich allein gestellt, bald an ihre Grenzen stieß. Die Pädagogin des Vereins NL40 kam zu Hilfe und besprach die weitere Vorgehensweise.

Aus dieser sehr persönlichen Erfahrung entstand die Idee zum OMA/OPA-Projekt, um auch anderen Kindern die Möglichkeit zu bieten, in einem wohlmeinenden und geschützten Umfeld Deutsch zu lernen, schulische Herausforderungen zu meistern, Ressourcen aufzubauen, sich als Persönlichkeit zu entwickeln und soziale sowie interkulturelle Kompetenz erwerben zu können. Unter der Leitung von Initiatorin Michaela Dirnbacher wurde daher 2009 ein Pilotprojekt mit 4 Kindern und 6 SeniorInnen gestartet.

Erfolgreich konnten 2011 ein weiterer Projektstandort in Krems und 2013 in Amstetten eröffnet werden. In Baden wurde das Projekt von 2013-2015 realisiert. In Wien wird das Projekt seit 2015 in den von der Strabag SE zur Verfügung gestellten großen Räumlichkeiten im 17. Wiener Bezirk umgesetzt. 2018 konnten die Startchancen von 83 Kinder und Jugendliche an den drei Standorten gestärkt werden, über 100 Freiwillige engagierten sich im OMA/OPA-Projekt und 993 Betreuungs- und Beratungsstunden wurden angeboten. 2019 feiert das OMA/OPA-Projekt sein 10-jähriges Jubiläum.

 

Ö1-Radio Beitrag 11/2018
Mittagsjournal